Bericht einer kanadischen Wahlbeobacherin in Jugoslawien

Antoinette Martens (24. September 2000) - www.tenc.net [Emperor's Clothes]

Frau Martens ist eine kanadische Wahlbeobachterin, die aus Belgrad berichtet.

 

Die internationalen Wahlbeobachter zu den jugoslawischen Präsidenten- und Parlamentswahlen sind in Belgrad eingetroffen – bis jetzt rund 200 aus 54 Ländern.

Im Gegensatz zu Berichten, dass „ihnen die Einreise verweigert worden ist" sind es registrierte Beobachter aus folgenden westeuropäischen Ländern: Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Deutschland, Portugal, Schweden und Großbritannien. (Der eine amerikanische Beobachter bisher ist ein aktiver höherer Funktionär der Präsidentschaftslampagne für Gore.) Unter den Beobachtern sind Parlamentsabgeordnete, Vertreter politischer Parteien und Organisationen sowie unabhängige Leute wie etwa die beiden aus Kanada.

Die kanadischen Vertreter haben an Wahlkundgebungen der Kandidaten der drei stimmenstärksten Parteien teilgenommen – in Belgrad und Novi Sad. Diese waren lautstark und lebendig, ohne wahrnehmbare Störungen und ohne bemerkenswerte Polizeipräsenz. Schriften wurden bei diesen Veranstaltungen frei verteilt, genauso wie bei politischen Kundgebungen in Kanada.

Eine von uns (Marjaleena Repo) schaute besonders auf die Wahlplakate, da sie in einen schon lange andauernden und immer noch nicht beendeten Rechtsstreit um das Recht zu Plakatieren in Kanada verwickelt ist. Sie berichtet, dass die Straßen voll plakatiert sind, von Graffiti begleitet und alle gleichermaßen vollgeschmiert, wie es aussieht.

Repo hat Plakatierer in Belgrad gesehen, die auf allen Plakate – auch auf denen anderer Parteien! – Aufkleber anbrachten, auf denen die Frauen aufgefordert wurden, zur Wahl zu gehen. Sie hatte Gelegenheit, über diese widersprüchliche Angelegenheit mit fünf jungen Jugoswlawen zu diskutieren, die mit ihren Kübeln und Schwämmen unterwegs waren.

Anders als in kanadischen Städten werden die Plakate anscheinend nicht von städtischen Arbeitern entfernt, sondern bleiben und werden weiterhin von politischen Gegnern beschmiert und entstellt. Dazu kommen noch große Plakatwände im ganzen Stadtgebiet von Belgrad, auf denen die drei Kandidaten der größten Parteien um Wählerstimmen werben. Insgesamt macht Belgrad den Eindruck einer sehr lebendigen Demokratie ...

Während die kanadischen und anderen westlichen Medien die Wahl schon für „gefälscht" erklärt haben (selbstverständlich ohne den leisesten Beweis), glauben wir, dass der Beweis für die Verfälschung und Verdrehung der jugoslawischen Wahlergebnisse in den ehemals demokratischen Ländern Amerikas und der Europäischen Union zu finden ist, die sich in einer ganz und gar illegalen und undemokratischen Weise in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Landes einmischen. Das muss von allen ehrlichen Demokraten verurteilt werden, seien es Einzelpersonen, Organisationen oder Nationen.

***

Sie sind eingeladen, diesen Artikel weiter zu verbreiten. Wir bitten Sie
allerdings, die Quellenangabe
www.emperors-clothes.com nicht zu vergessen!
Danke!