KOSOVO NACH DEN BOMBEN
Ronald Kim

www.tenc.net

Wo in Europa im Jahr 2000 hat die Politik der Westmächte direkt zur bösartigen Verfolgung und Vertreibung einer alten jüdischen Gemeinschaft geführt?

Wenn Sie Kosovo vermutet haben, haben Sie recht. Ein Jahr nach den Bombenüberfällen auf Jugoslawien werden die Ziele der NATO langsam erreicht. Zahlreiche Berichte von Menschenrechtsbeobachtern und europäischen Journalisten bestätigen, dass praktisch die gesamte nichtalbanische Bevölkerung Kosovos von bewaffneten Banden der UCK aus der Provinz vertrieben worden ist.


Vor dem Krieg lebten in Pristina 40 sephardische Juden. Alle wurden vertrieben, ihre Wohnungen und Häuser verwüstet oder in Brand gesteckt.

Cedomir Prlincevic, der ehemalige Leiter des Provinzarchivs in Kosovo und Vorsteher der jüdischen Gemeinde, musste mit einem Taxi nach Mazedonien in Sicherheit gebracht werden. Gemeinsam mit seiner betagten Mutter konnte er sich in die jugoslawische Hauptstadt Belgrad retten, mit nur dem Talmud im Gepäck.

Unmittelbar nach Kriegsende flohen über 90 Prozent der bereits schwindenden serbisch orthodoxen Minderheit vor der siegreichen UCK. In den Medien der USA wurde diese Katastrophe als Rache der Kosovoalbaner hingestellt, deren Unterdrückung durch die Armee und die paramilitärischen Kräfte des jugoslawischen Präsidenten Milosevic die Vertreibung aller Serben „rechtfertigte".

Aber dieser Massenexodus ist nicht nur auf Serben beschränkt. Im letzten Juni und Juli verließen 300.000 Kosovaren ihre Wohnungen, darunter Roma, Türken und Gorani (slawisch sprechende Moslems). Die meisten gingen nach Belgrad oder ins benachbarte Montenegro. Die Vertreibung auch der beiden letzteren Gruppen weist darauf hin, dass die gleiche Religionszugehörigkeit keinen Schutz gegen den Zorn der moslemischen albanischen Extremisten bietet.

Heute sind Serben und Gorani auf sechs kleine Enklaven in Kosovo eingeschränkt. Es mag ironisch klingen, aber ihre Sicherheit – und die von hunderten wunderschönen mittelalterlichen serbisch orthodoxen Klöstern und Kirchen - hängt ab vom zweifelhaften Schutz der NATO-Soldaten der selben Mächte, die den Krieg im vergangenen Jahr vom Zaun gebrochen haben.

In diesem neuen von der UCK kontrollierten Kosovo, der durch die Aggression der NATO geschaffen wurde und durch den zum Augenauswischen "Friedenstruppen" patrouillieren, ist keine Minderheit sicher. Im Dorf Lecnice wurde seit dem Mittelalter von einer kleinen Gruppe römisch katholischer Kroaten bewohnt. Im vergangenen Oktober, wenige Monate vor dem 700-Jahre-Jubiläum, flohen alle 300 Mitglieder dieser Gemeinschaft nach Kroatien. Ein 86 Jahre alter Tscheche wurde mit einer Kugel im Kopf im einem Park in der Nähe Pristinas gefunden.

Man sollte aber nicht davon ausgehen, dass die Verfolgung und Ausrottung ethnischer Minderheiten den einzigen Unterschied zwischen altem und neuem Kosovo bildet. „Gemäßigte" Albaner – um nicht zu reden von Intellektuellen und Gegnern der UCK – sind nach Belgrad geflohen, wohin schon früher Kroaten und bosnische Moslems vor Krieg und Faschismus in ihren Republiken geflüchtet waren.

Seit dem Abzug der Armee Milosevics hat die UCK – schon lange berüchtigt wegen ihrer Rolle als Drogenlieferant nach Westeuropa – eilig die schlimmsten Übel aus der ganzen Welt in ihrem neuen Herrschaftsbereich etabliert. Überall finden sich gestohlene Autos, wie in Albanien. Der Handel mit Prostituierten aus Balkanländern und der ehemaligen Sowjetunion ist ein ernstes Problem geworden, mit dem sich die „Friedenstruppen" mit ihren beschränkten Ressourcen gar nicht befassen können. Lynchjustiz, Plünderungen und Schmuggel haben eine Stufe der Gesetzlosigkeit erreicht, die das übrige Jugoslawien im Vergleich brav wie eine Klosterschule erscheinen lässt.

Überrascht? Im Februar 1999, gerade vor dem Krieg, beschrieb Robert Manning vom Rat für auswärtige Beziehungen die Ziele der USA auf dem Balkan: "Umwandlung des ehemaligen Jugoslawien in eine Reihe von Protektoraten, eine Provinz nach der anderen." In anderen Worten, sie in das globale Wirtschaftssystem integrieren als Beute für die Piraten des freien Marktes und die wirtschaftliche Kolonisierung durch die USA.

Die Bürger der USA können nicht getadelt werden, weil sie nichts über diese tragischen Entwicklungen wissen, über die so gut wie nichts in den Medien berichtet worden ist. Aber Unwissenheit entlässt nicht aus der Verantwortung.

Drei Monate im Frühling des vergangenen Jahres wurden hunderte Millionen US-Amerikaner, Kanadier und Europäer einmal mehr aufgepeitscht zu einem Wahn militaristischer und patriotischer Empörung. Indem sie jedes Gerücht, jede Schlagzeile über „Massengräber" und „Genozid" glaubten, begrüßten diese professionellen Patrioten – einschließlich angeblich liberaler Intellektueller – eine Politik der „Bomben für den Frieden". Trunken im Hass auf die primitiven, antiwestlichen und unbelehrbar schlimmen Serben applaudierten sie blutrünstig der Ermordung einfacher Jugoslawen sogar am orthodoxen Osterfest.

Nachdem Milosevic dem Abzug seiner Truppen zugestimmt hatte, stellten die Medien ihre Berichterstattung nahezu ein. Die wenigen Reporter, die ihr Leben in Kosovo riskieren, hatten es schwer, von einer gelangweilten Öffentlichkeit in Westeuropa wahrgenommen zu werden, von den USA gar nicht zu reden.

Schließlich haben wir ja gewonnen, oder nicht?

Jetzt, konfrontiert mit den Gräueln des neuen Kosovo, weisen wir die Verantwortung für die Folgen unserer Taten von uns, indem wir sagen, dass „wir nichts gewusst haben."

Wo haben wir das schon gehört?

(C) 2000 Daily Pennsylvanian via U-WIRE

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