ZWISCHEN DEN ZEILEN

Jared Israel

Die Berichterstattung über Osttimor zeichnet sich aus durch reichliche Quantität und dürftigen Informationsgehalt. Wie oft wurde uns mitgeteilt, dass 78% für Unabhängigkeit gestimmt haben und darauf hin aus Gehässigkeit die Milizen, angefeuert durch korrupte indonesische Generäle, die Bevölkerung attackierten, alles niederbrannten, einen Teil der Menschen in die Berge und den anderen nach Westtimor trieben.

So. Die Pro-Unabhängigkeitsleute sind alle “Widerstandskämpfer” und die Antis sind brutale Milizionäre. Das ist die Geschichte, die viele Millionen dazu gebracht hat, die UNO-Kontrolle zu unterstützen, das heißt, eine Okkupationsmacht, die von den USA, Australien und England beherrscht wird, alles ehemalige Kolonialmächte.

Ein AP-Bericht bringt dieses Gut – Böse – Bild durcheinander. Ich möchte wissen, was Sie daraus machen. Mich beschäftigt es.

Der Großteil dieses Berichts gibt das übliche Bild wider – hungrige, freundliche Pro-Unabhängigkeits-Flüchtlinge empfangen sachliche humanitäre Friedensschützer usw. Aber am Ende, versteckt in den letzten vier Absätzen findet sich folgendes:

In der westtimoresischen Hauptstadt Kupang schauten Männer wütend, als die indonesische Sozialministerin Yustika Baharsyah eine Delegation von Hilfsorganisationen, hauptsächlich Europäer, durch drei Flüchtlingslager führte.

Ein Flüchtling, Augustina de Costa, saß unter einer Plane außerhalb des Stadions in Kupang, in dem sich 10.000 Flüchtlinge befanden, wo sie Zigaretten und Getränke zum Kauf anbot.

In ihrer Heimatstadt Lostalos in der Nähe von Dili hatte sie ein gutes Leben gehabt. Aber sie wusste, dass sie nicht bleiben konnte, nachdem eines ihrer beiden Häuser niedergebrannt worden war.

„Wir wollten bei Indonesien bleiben, doch wir haben die Abstimmung verloren“, sagte sie. „Vielleicht können wir eines Tages nach Osttimor zurückkehren.“

ENDE DES AUSZUGS AUS DEM AP-BERICHT

Ihr Haus wurde also niedergebrannt. Und “Vielleicht können wir eines Tages nach Osttimor zurückkehren.“

Nun zwei Rätsel für Sie.

RÄTSEL Nr. 1: Es wurde uns gesagt, dass die Gewalttätigkeit von der Anti-Unabhängigkeits-Miliz gegen die Pro-Unabhängigkeits-Mehrheit gerichtet wird. (So nebenbei: über „Unabhängigkeit“ wurde nicht abgestimmt. Zur Wahl standen der Verbleib bei Indonesien bzw. die Einrichtung eines UNO-Protektorats. Viele in Indonesien sagen, das bedeute australische/US-Herrschaft). Jedenfalls, wenn dieses Bild stimmt, warum sind tausende Antis in miserablen Flüchtlingslagern? Könnten diese Antis die „Pro-Unabhängigkeits“-Leute sein, von denen uns gesagt wurde, sie seien von den Milizen nach Westtimor getrieben worden? Und wer brannte das Haus dieser „Anti“-Frau nieder?

Wenn diese Antis die Menschen sind, von denen die Medien berichteten, dass Pro-Unabhängigkeits-Leute nach Westtimor getrieben wurden – dann wurden wir angelogen. Warum? Wenn wir schon in dieser Sache belogen worden sind, werden wir nicht in anderen genauso angelogen? Legt es nicht nahe, dass möglicherweise von beiden Seiten Gewalt angewendet wurde, dass möglicherweise der Kampf nicht einfach von der Bösartigkeit der Antis ausging? Vielleicht – nur vielleicht – wurde er absichtlich provoziert, um eine Rechtfertigung für die Intervention des Westens zu schaffen?

RÄTSEL Nr. 2: Nachdem der Inhalt dieser vier Absätze ein so völlig abweichendes Bild von dem vermittelt, was wir über die Situation in Osttimor gehört und gelesen haben, warum wurde diese Seite der Geschichte noch nirgends dargestellt? Und warum wird diese TATSÄCHLICHE NEUIGKEIT (im wahrsten Sinne des Wortes ist das ja neu) nicht prominent mit großen Schlagzeilen präsentiert: „AUCH DIE PRO-INDONESISCHE SEITE LEIDET.“ Warum wird diese hochinteressante Information am Ende eines AP-Berichts versteckt, nach einer langen Abhandlung der altbekannten Geschichte von den Pro-Unabhängigkeits-Opfern und den Anti-Unabhängigkeits-Schurken?

In der Tat läßt uns der erste Teil des AP-Berichts wissen – in einer höchst unobjektiven Weise, wie ich dazu bemerken möchte – wen wir zu unterstützen haben und wer unsere Verachtung verdient. Im ersten Absatz (dem entscheidenden Absatz in jeder Reportage) wird uns gesagt, dass die Pro-Unabhängigkeits-Leute „die Herrschaft des Terrors in Osttimor überlebt haben“. Und es sind gutherzige Menschen, wie wir wissen, denn sie „grüßten die (netten, weißen) Friedensschützer mit wildem Applaus.“ Wahrend die proindonesischen Flüchtlinge in Westtimor als „sauer“ beschrieben, also manipulativ als unattraktiv hingestellt werden.

Werden wir mit Worten und Bildern auf den Arm genommen?

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel, obwohl er beide Seiten darzustellen vorgibt – der Titel lautet “Flüchtlinge der Unabhängigkeit - Welten auseinander” – eindeutig die Probleme aus der Perspektive einer der Konfliktparteien behandelt: der Seite, deren Leiden benutzt werden, um die Intervention des Westens zu unterstützen.

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DRINGLICHER AUFRUF! (11. August 2001)

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