TANJUG - 12. September 2000

Ansprache von Präsident Slobodan Milosevic in Kusjak

www.tenc.net
[Des Kaisers Neue Kleider]

Auf einer Kundgebung in Kusjak begrüßte Präsident Slobodan Milosevic heute über 100.000 Menschen, die in diesem Teil unseres Landes leben. Hier der Text seiner Rede:

Liebe Mitbürger!

Zuerst möchte ich euch alle herzlich begrüßen und im Namen aller Bürger unseres Landes Jugoslawien den Konstrukteuren dieser außerordentlichen Errungenschaft gratulieren, die uns heute erlaubt zu verkünden, dass das große Wasserkraftwerk „Djerdap" in Betrieb geht.

Ich gratuliere den Angestellten der serbischen Elektrizitätswerke, die während des Krieges und danach, als wir unser Land verteidigt haben und in der Zeit des Wiederaufbaus gezeigt haben, was Selbstaufopferung und Heldentum sind, die unglaubliche Leistungen bei der Erfüllung der gesetzten Ziele vollbracht haben.

Aus diesem Grund gab es für unsere Bürger weder während des Krieges noch danach, obwohl die NATO-Allianz am System der Stromversorgung unseres Landes enorme Zerstörungen verursacht hatte, größere Versorgungsprobleme mit Elektrizität. Das konnte man am besten im vergangenen Winter sehen und sieht das am einwandfreien Funktionieren unserer gesamten Industrie.

Es ist schon lange her, dass dieser Teil Serbiens einen dermaßen bedeutenden Anlass zum Feiern hatte. Auf das, was hier von unseren Architekten und Arbeitern trotz Sanktionen und Druck geschaffen worden ist, können die Verantwortlichen und unser ganzes Volk mit Recht stolz sein.

Deswegen ist dieser Tag ein großer Tag für Ostserbien und für das ganze Land Serbien.

Der Wiederaufbau Serbiens, den wir ohne fremde Hilfe in dem Jahr nach den Bombenüberfällen nahezu zur Gänze durchgeführt haben, über den hinaus wir eine Reihe von Verbesserungen erreichen konnten, stellt eine einzigartige patriotische Leistung dar, die stolze Antwort auf Gewalt und Ungerechtigkeit, den Beweis der kulturellen Überlegenheit eines Volkes, das nicht besiegt werden kann, eines Volkes, das seit Jahrhunderten nur überlebt hat, weil es immer wieder das Böse besiegt hat.

Aus diesem Grund haben Menschen in unserem Land seit 1999 bis zum heutigen Tag rund um die Uhr gearbeitet, und kein Tag verging ohne besondere Errungenschaften. Es liegt also nichts näher, als mit Freude über alles zu sprechen, was innerhalb dieser kurzen Zeit erreicht werden konnte, da das fast an ein Wunder grenzt.

Ungeachtet dessen haben unsere Konstrukteure keine Triumphe abgefeiert, obwohl das nur allzu menschlich und normalerweise auch der Fall wäre.

Ich betone das besonders, denn in dieser Zeit der enormen Anstrengungen und großartigen Erfolge gab es Leute, die diese herunterspielen oder ignorieren wollten oder sich gar über den Wiederaufbau lustig machten. Ihr Spott war immer nur Zeichen ihrer Schwäche und Unterlegenheit.

Da sie am Wiederaufbau nicht teilgenommen haben, bekommen sie zu spüren, dass sie nicht zu der Bewegung gehören, die von den Völkern mit großer Aufmerksamkeit beobachtet wird, die in die Geschichte als Zeit großer schöpferischer Errungenschaften, heldenhaften Widerstandes und überragenden Patriotismus eingehen wird.

Jeder, der sich an der Verteidigung und am Wiederaufbau des Landes nicht beteiligt oder diese nicht unterstützt hat, hat sich selbst aus dieser großen Bewegung ausgeschlossen.

Es kann schon sein, dass sie ihre Wahl bereuen und mit sich nicht glücklich sind und deshalb erst recht die großen Leistungen heruntermachen, die die Menschen erbracht haben.

Die Helden und Konstrukteure dieser Zeit - unser ganzes heroisches und schöpferisches Volk - werden das nicht zulassen. Es wird seine Errungenschaften gegen den Neid der Deserteure genauso in Schutz nehmen, wie es diese geschaffen hat gegen die bösen Absichten und die Macht der Kolonisatoren.

Diese Generation wird den kommenden Generationen in der Tat einiges zu hinterlassen haben. Zehn Jahre Widerstand gegen Gewalt, höchste nationale Solidarität, Ausdauer angesichts des Mangels, kreative Einstellung in problematischen Situationen, optimistischer Blick in die Zukunft, Streben nach sinnvollem Wiederaufbau und ein nahezu historisches Gespür dafür, wie die weitere Entwicklung ausschauen sollte.

Die kommenden Generationen werden sich daran erinnern und stolz darauf sein.

Obwohl voll beschäftigt mit Rekonstruktion und Entwicklung, mit den laufenden Problemen und seiner Zukunft, will Jugoslawien eine dynamische und konstruktive Haltung gegenüber der Welt insgesamt einnehmen.

Diese dynamische und konstruktive Haltung umfasst die eingehende schwierige und notwendige Suche nach der Wahrheit, die die Augen und Ohren aller Menschen und Staaten erreichen muss. Diese dynamische und konstruktive Haltung schließt auch unseren guten Willen ein, mit allen in der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, die Wert auf ihre eigene Freiheit und auf die Freiheit anderer legen.

Sie schließt auch mit ein die notwendige Verbindung mit allen freiheitsliebenden Völkern und souveränen Staaten, allen fortschrittlichen Parteien und Menschen, fortschrittlichen Bewegungen und Intellektuellen, die sich selbst und die Welt gegen die Gewalt verteidigen wollen, die bereits internationales Ausmaß erreicht hat.

Diese Gewalt hat die ganze Balkanregion zu ihrem Ziel erklärt im Glauben, es brauche wenig Zeit und Energie, diese zu erobern und zu unterjochen. Die Einschätzungen der Verfasser dieses Konzepts beruhen auf einem historischen Verständnis, das sehr zu wünschen übrig läßt.

Die Balkanhalbinsel ist ein zäher Brocken. Ihre Völker haben jahrhundertelange Entwicklungen hinter sich. Sie haben gelernt, ihre Freiheit zu verlieren und zurückzugewinnen, zu unterliegen und zu siegen. Ihre Weisheit und Geduld schützen sie von dem Schicksal, das ihnen der neue Kolonialismus zugedacht hat.

Deswegen können die Völker des Balkans größere Weisheit demonstrieren, als die Welt von ihnen erwartet. Sie können Europa sehr wohl überraschen und zeigen, dass sie sein lebendigerer, gefühlvollerer und stolzerer Teil sind.

Die Völker des Balkans wissen, dass sie nicht das vorrangige Ziel sind, schon gar nicht das Hauptziel der Besatzer, die ihr Augenmerk auf ihre Halbinsel gerichtet haben. Sie verstellen nur den Weg zu einem anderen, größeren Ziel. Inzwischen nützen die Kolonisatoren die Möglichkeit, ihre Macht zu demonstrieren, neue Waffen – technologische, chemische, psychologische oder im Bereich der Medien – auszuprobieren und ihre Maschinerie vorzubereiten und in einem Nebenbereich in Bewegung zu setzen, ehe der Zug in Richtung des größeren Zieles geht.

Auf der anderen Seite der Donau liegt unser Nachbarland Rumänien. Mit der Bevölkerung dieses Landes lebten wir unsere ganze Geschichte hindurch in Freundschaft und Harmonie. Sehr selten und nur während kurzer historischer Perioden hatten wir Probleme mit rumänischen Regierungen – als sie unter Stalins Kommando standen und unter dem Kommando des NATO-Pakts.

Jedenfalls ausschließlich dann, wenn die Entscheidungen über die Politik ihres Staates nicht von ihnen selbst, sondern von Außenstehenden getroffen wurden.

Wir wollen, dass alle Völker des Balkans frei sind, aus der Überzeugung heraus, das nur freie Völker des Balkans Entscheidungen in ihrem eigenen Interesse und im Interesse des gesamten Balkans treffen können.

Dieses Wasserkraftwerk ist der Beweis dafür.

Im kommenden Jahr werden wir mit den Vorbereitungen für "Djerdap 3" beginnen, das die Probleme nicht nur unserer Stromversorgung, sondern auch der Stromversorgung von Nachbarländern lösen soll.

Denen, die es nicht wissen, möchte ich kurz erklären, dass es sich dabei um ein großes Waserkraftwerk handelt, etwas stromaufwärts von Donji Milanovac gelegen, auf einem Plateau in der Nähe von Lepenski vir, mit einer Leistungskapazität von 2,400 Megawatt.

Es wird ein gewaltiges und großartiges Konstruktionsprojekt von großer Bedeutung für unser und die benachbarten Länder sein.

Ich möchte betonen, dass wir und unsere Nachbarn in solchen Projekten zusammenarbeiten sollten, anstatt uns gegenseitig mit Misstrauen zu beobachten oder gar zu bekämpfen, zu unserem Übel und zum Vorteil neuer Kolonisatoren.

Früher oder später werden die Völker des Balkan draufkommen, dass ihr Überleben von ihrer eigenen Bereitschaft abhängt, enge Verbindungen einzugehen, niemandem zu gestatten, sich als ihr Friedensstifter oder Krisenmanager aufzuspielen, die Vergangenheit zu überwinden, in der es Hass und Kriege untereinander gab und gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen für ihre wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung, um dadurch zu vermeiden, dass ihre Kinder sich in einigen Jahrzehnten sagen lassen müssen, dass sie in Europa akzeptiert würden und andere unehrliche und falsche Geschichten der Art, wie sie das Leben der Völker des Balkan am Ende des 20. Jahrhunderts kennzeichnen.

In einiger Zeit, nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung, sondern weil sie die Lehren der Geschichte zu verstehen gelernt und eine moralische Antwort auf die Fehler der Vergangenheit gefunden haben, glaube ich, dass die kommenden Generationen mit Recht werden sagen können: Europa ist hier, hier wurde das begriffen, hier begannen die Konflikte, hier ging man auseinander und traf sich, hier begann die Einigung, hier lernten Ost und West, eine gemeinsame Sprache zu finden. Die Balkanhalbinsel und alle ihre Völker verdienen eine solche Zukunft.

Unser Volk hat sich großartig bewährt in seiner schwersten Zeit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, vielleicht sogar des ganzen 20. Jahrhunderts. Deswegen richten sich die Augen der ganzen Welt auf uns – sicher nicht, weil wir unbedeutend und klein sind, und sicher erst recht nicht, weil wir potentielle Kolonisatoren, Eroberer und Machthaber sind, da wir zahlenmäßig klein sind, wie jeder weiß.

Die internationale Aufmerksamkeit hat sich auf uns gerichtet, weil wir in der Zeit der Versuchung zivilisatorische Überlegenheit bewiesen haben, eine kaum je gesehene nationale und menschliche Widerstandskraft, weil wir unter schwierigen historischen Bedingungen bewiesen haben, dass wir ein großes Volk sind.

Es sind nicht viele Länder auf der Balkanhalbinsel, und die Menschen, die hier leben, verbinden viele ähnliche, manchmal auch die gleichen Interessen. Sie leben unter dem gleichen Himmel, unter dem sie gekämpft und die Freiheit errungen und alles aufgebaut haben, was sie haben – Freiheit, Frieden und eine bessere Welt. Was unser Volk betrifft, bin ich mir sicher, dass es heute wie in der Vergangenheit die richtige Antwort auf alles Übel finden wird, das es befallen hat, dass es die eigenen und die Interessen anderer Völker auseinanderzuhalten weiß, zwischen seinen Helden und vom Ausland bezahlten Verrätern unterscheiden kann, sowie zwischen der selbst erfahrenen Wahrheit und den verbreiteten Lügen, zwischen dem, was es tun soll und dem, was es nicht tun darf, zwischen richtigen und falschen Antworten, zwischen den guten Menschen und denen, die nicht gut sind.

Ich grüße euch alle. Die Bürger von Negotin und Negotinska Krajina beglückwünsche ich zum 12. September, den Tag der Befreiung. Ich wünsche euch viel Glück!

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DRINGLICHER AUFRUF! (11. August 2001)

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Von der George Soros-Stiftung wird Emperor´s Clothes nicht finanziert. Unsere einzige Geldquelle sind Menschen wie Sie. Alle Beiträge helfen.

Unser Tätigkeitsbereich ist größer geworden, unsere Einnahmen leider nicht. Rechnungen für Telefongespräche und andere Kosten für die letzten Monate können wir nicht bezahlen. Derzeit können wir nur noch Ortsgespräche führen, alle anderen Telefondienste sind uns abgedreht worden.

Weitere größere Beträge entfallen unter anderem auf Lexis, unsere wichtigste Suchmaschine. Wichtige Ausstattungsgegenstände wie etwa einen guten Laptop Computer und erforderliche Grafiksoftware können wir uns einfach nicht leisten.

Fern- und Überseegespräche führen wir für Interviews (wenn wir einen Dolmetscher brauchen, sind sie umso aufwendiger), Beratungen mit Autoren, um den Wahrheitsgehalt von Informationen zu überprüfen und um Probleme bei Übersetzungen zu klären. Wir sind auch Medien außerhalb von Emperor´s Clothes behilflich.

Mittels Ferngesprächen standen wir in ständiger Verbindung mit den Menschen, die das Haus von Präsident Milosevic bewachten, als es am 28. und 29. März angegriffen wurde. Deshalb konnten Sie genaue Berichte auf Emperor´s Clothes lesen – der einzigen ehrlichen Quelle für wahre Berichte.

Nach diesen Angriffen konnten wir direkt mit Menschen sprechen, die an den Verhandlungen zwischen Präsident Milodevic und den derzeitigen serbischen Behörden beteiligt waren. So wussten wir aus erster Hand, dass der Bericht der „New York Times" über angebliche Selbstmorddrohungen Milosevics erlogen war.

Unsere Telefonrechnungen betragen über tausend Dollar monatlich. Unser Zugang zu Ferngesprächen und internationalen Diensten ist abgedreht worden, weil unser Zahlungsrückstand fast $ 5.000.- beträgt. Wenn es so weiter geht, wird unser Telefonanschluss überhaupt gesperrt werden. Über $ 1.500.- müssen wir für Lexis bezahlen, unser wichtigstes Instrument für Recherchen, mit dem wir die Genauigkeit von Zitaten und Berichten aus Zeitungen aus den letzten 20 Jahren überprüfen können.

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